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Das waren noch Zeiten --- nicht nur in Vallstedt !

Als Großeltern, Eltern und Kinder gemeinsam Sonntags zu Mittag aßen. Die Jungen und Alten noch miteinander redeten (meistens Platt) und sich trotzdem verstanden.

Als es noch kein Fernsehen gab, dafür Abends noch Geschichten erzählt wurden. Großmutter dabei Strümpfe strickte, Großvater seinen Zigarren noch selbst drehte, vom Tabak den er im Hausgarten gezogen hatte. Die Deckblätter der Zigarren wurden zuletzt mit süßem Zwetschgensaft verklebt.
                                                                                                                                                                                  Als Großmutter mit mir (ich muß 9 – 11 Jahre gewesen sein) und einem Handwagen
zum Bäcker fuhren um den Kuchen zu Feiern und Festtagen backen zu lassen.
Der Bäckermeister stellte den Boden auf dem Blech her. Großmutter schichtete
Apfelspälten, Zwetschgenhälften, Streusel oder Zucker und Butterflocken bei
Zuckerkuchen darauf, jetzt machte der Bäckermeister noch ein Zeichen aus Teig auf den
Kuchen, damit jeder den Kuchen mit seinen Zutaten nach dem Backen zurück bekam.
Abends wurden die Blechkuchen mit dem Handwagen abgeholt, wenn der Kuchen
verzehrt war, mußte ich die sauberen Bleche zurück zur Bäckerei bringen, mit dem
Handwagen.

Als Mutter Sonntagmorgens im Bett den Kindern selbstausgedachte Märchen erzählte, wobei selbst der Vater interessiert zuhörte. Als Kindern noch auf die Finger geklopft werden durfte, wenn sie etwas ohne zu fragen genommen hatten.

Als es noch keine Fertiggerichte in der Plastiktüte eingeschweißt gab. Mutter hatte noch alles selbst auf dem Herd mit Holz- und Kohlenfeuer gekocht und gebraten, mit Kartoffeln, Erbsen, Möhren, Lauch aus dem Garten oder im Winter aus der Miete oder aus Gläsern Eingemachtes aus dem Vorratskeller und Fleisch aus der Einsalzewanne vom selbstgefüttertem Schwein. Heute sind da Rasen, Sträucher und der Stall eine Garage. Im Keller die Heizung, die Sauna, der Partyraum und die Tiefkühltruhe.

Als auch kleine Ortschaften mit ihren Einnahmen noch auskamen. Als es auch in kleinen Ortschaften noch ein Gemeindebüro gab und der Gemeindediener alles in Ordnung brachte, der die neusten Nachrichten mit einer Bimmel ankündigte. Vom Rost zerfressene Pfosten für Strassennamensschilder hätte es damals nicht gegeben! denn vor dem Umfallen hätte er sie repariert.

Als noch Wasser im Feuerlöschteich war. Aber was ist ein Feuerlöschteich ohne Wasser? Im Winter fuhren wir hier Schlittschuh und spielten Hockey. Im Sommer schaukelten hier selbst gebastelte Modellschiffe. Nach über 25 Jahren, seit Mai 1996 ist wieder Wasser im Feuerlöschteich, aber ohne vorher das hohe Gras und den Unrat der sich in dieser Zeit angesammelt hatte abzuräumen. Wenn nichts geschieht ist der Feuerlöschteich zugewachsen und es ist wieder kein Wasser zum löschen da.

Als Vater noch zu Fuß zum Bahnhof ging um mit dem Zug und in der Stadt mit der Straßenbahn zur Arbeit zu fahren und den Lohn in der Lohntüte mit nach Haus brachte.

Die Mutter der Finanzminister der Familie, sie hatte immer erst etwas gekauft, wenn sie die Zahlungsmittel dazu zusammen hatte, nie auf Pump,
denn das kostete unnötig Zinsen. Sagte Sie.
Ein Vorbild für Politiker b.z.w. Kämmerer.?

Als noch zwei Bäcker im Ort Brötchen und Brot backten und die Mutter den Zucker- und Obstkuchen noch selbst, in der Backstube des Bäckers, mit den Zutaten belegt hat.

Als noch beim Schmiedemeister Pferden die Hufeisen angepaßt wurden. Hacken und Spaten geschärft wurden und wenn ein Loch im Eimer oder Topf war, konnten sie hier repariert werden.

Als es noch Senf, Essig, Salz, Zucker, Honig, Öl, Milch, Mehl, Maggi, Sauerkraut, Salzhering u.s.w. bei den damals drei Kaufleuten " lose" gab, eigene Gefäße brachte man mit. Auch "Bollchen" und Lutscher standen in einem großen Glas zum Verkauf bereit, für`n Groschen eine kleine Tüte voll. Die Groschen hatten wir Jungen uns
beim Mäuse- und Hamster roden auf den abgeernteten Getreidefeldern verdient.
Bei der Gemeindekasse bekamen wir dann 5 bzw. 10 Pfennig je Schwanz dafür.

Als die Milch noch vom Landwirt nebenan geholt wurde und die Frühstückseier von den eigenen frei auf dem Hof laufenden Hühnern erzeugt wurden. Das Schlachteschwein im Stall gruntzte, für das aus den Gräben die Brennessel als Futter geholt wurde.

Als Oma, Mutter und Kinder noch auf den Rübenacker zogen um die Rüben durchzuschieben, verbüschen, vereinzeln und um die Pflanze zu hacken. Die Stärksten Pflanzen mußten stehenbleiben. Abends wenn man die Augen schloß, sah man nur noch kleine Rübenblätter. Bei der Ernte wurden einige Rüben abgezweigt um davon Rübensaft zu kochen oder "Rummelschluck" zu destillieren. Da gab es damals den Schlager: " Solange noch in Niedersachsen schöne Zuckerrüben wachsen geht's uns immer gut, verlieren wir nicht den Mut."

So könnte man noch Seitenweise an frühere Zeiten erinnern. Natürlich waren das früher Zeiten, später wird man auch sagen, was waren das früher für Zeiten und meint heute.

Schlechtes wird dabei vergessen und Gutes gern weiter erzählt.

 
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